Brennender Schnee

Brennender Schnee

 

 

Fotos: Mariam Haas & Iris Schwarz

 

Engel, Hexe, Spukgestalt und Nixe – all das mag Undine sein, jedoch kein Mensch, darin sind sich zumindest alle anderen einig. Die Frau aus dem Wasser wird zur Fremden und Unheimlichen erklärt, weil sie auf unerklärliche Weise empathisch, mitfühlend und sensibel ist. Für hochsensible Menschen gehört dieses Gefühl der

Ablehnung zum Alltag. Sind sie doch oftmals überfordert von den Emotionen ihrer Mitmenschen.

 

Auf der losen Grundlage von Undine nach Friedrich de la Motte Fouqué und der Oper von E.T.A.Hoffmann verhandelten die zwei Schauspieler*innen und die zwei Opernsänger*innen die Konflikte hochsensibler mit ihrer Umwelt.

Ihr Leute, die ihr so feindlich ausseht und so zerstört [...], ach Gott, ich wusste von euren törichten Sitten und eurer harten Sinnesweise nichts und werde mich wohl mein lebelang nicht dreinfinden.

 

 

(Friedrich de la Motte Fouqué: „Undine“)

In Brennender Schnee wurden die Sinnesreize der Zuschauer*innen medial verstärkt, wodurch sie das bisher kaum beachtete Phänomen der Hochsensibilität am eigenen Leib erfuhren. Durch Kontaktmikrofone, haptische und interaktive Objekte, eingeleitete Düfte sowie Motion-Design-Projektionen konnte die Überstimulation hochsensibler Menschern nachempfunden werden.

 

Der Aufführung war eine kleine Ausstellung vorgelagert, in der die späteren Requisiten der Inszenierung als interaktive Objekte erfahren werden konnten. Die Objekte selbst stimulierten den Seh-, Tast-, Hör-, Geruchs- oder Geschmackssinn und wurden im weiteren Verlauf der Aufführung mit ihrer ganz eigenen Geschichte aufgeladen.

 

Gesangspartien, die durch elektronische Sounds & Noise begleitet wurden, wechselten sich mit performativen Vorgängen sowie biographischen und fiktional-narrativen Texten ab. Das Projekt wollte somit nicht nur die sinnliche Wahrnehmungsweise der Zuschauer*innen herausfordern, sondern auch ihre Verhaltensgewohnheit im Theater.

Besetzung:




Künstlerische Leitung:

Jeffrey Döring

Motion-Design:

Iris Schwarz & Simon Greiner

Sounddesign:

Felix Nagl

Kostüm- und Bühnenbild:

Mariam Haas & Johana Gomez

Künstlerbuch:

Elmar Mellert



Schauspiel/ Gesang:


Undine:

Lisa Ströckens

Vodník:

Pascal Zurek

Bertalda:

Laila Richter

Huldbrand:

Johannes May

Premiere: 24.11.2017, Kulturinsel Stuttgart

Pressestimmen:


"Dem Goldstaub-Team [...] gelingt eine stimmige Balance zwischen großer Oper und modernem Theater. Undine, gespielt von Sopranistin Lisa Ströckens, singt so schön wie sie aussieht und die Einsamkeit letztendlich aller Figuren geht einem ans Herz. Die Schauspieler - allen voran Laila Richter alias Bertalda - sorgen mit viel komödiantischem Talent aber auch für sehr lustige Abwechslung im durchaus tragischen Stoff."

 

S1 Magazin, Dezember 2017,

Thekla Dörler

"Das sind enorme Qualen, die sie [Undine] in Kauf nimmt, um genauso zu sein wie alle anderen. Um dann festzustellen: Sie ist immer noch nicht wie alle anderen. [...]

Der Sounddesigner wird Punktmikrofone im Raum verteilen, die die normalen Geräusche [...] verstärken. [...] Videokünstler haben außerdem für bestimmte Szenen Projektionen entworfen, die das Gefühl, von Lichtimpulsen überfordert zu sein, noch einmal ästhetisch überhöht zeigen. Da wird der Zuschauer nicht selber geblendet, sondern schaut sozusagen in den Kopf eines Hochsensiblen rein."

 

Stuttgarter Zeitung, 20.11.17,

im Gespräch mit Andrea Jenewein

Weitere Informationen auch auf unserem Blog,

in Kooperation mit der Akademie Schloss Solitude: TRACES OF A WATER SPIRIT

(in Englisch)

Förderer: